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Beaufort 10, was tun?

Diese kleine „Sturmfibel für Yachten“ von Frank Robb ist sicherlich so manchem bekannt, zumindest vom Namen her. Die Erstauflage kam schon 1969 auf den Markt, und so gleicht die Lektüre auch einer Zeitreise. Beispielsweise ist der wesentliche Rat gegen potenziell brechende Wellen das Einleiten von Öl, um so die See zu beruhigen. Mal abgesehen von den fehlenden Lagerkapazitäten auf einer Segelyacht und selbst in der Annahme, dass hier kein Schweröl gemeint ist, so wirkt das heutzutage doch eher befremdlich. Gerade in diesen Tagen, wo – dieses Mal in der Biskaya – schon wieder einmal Ölteppiche auf der rauen See treiben, greift man im stürmischen Fall der windigen Fälle doch lieber zu anderen Mitteln.

Ein wesentliches Thema ist dabei das Verlagsamen des Schiffes. Hier scheiden sich die Geister. Auch ich dachte immer mal wieder daran, einen Treibanker in die Backskiste zu legen. Und dann wurde mir irgendwann bewusst, dass dieser ja über den Bug ausgebracht werden soll. Für die Fans dieser Lösung ist das ein wesentliches Argument… natürlich sollen die Wellen von vorne über das Boot spülen und nicht im Heck einsteigen.

Eine Alterantive dazu ist der über das Heck ausgebrachte Jordan’s Series Drogue. Hier ist statt einem größerem Schirm eine Vielzahl kleiner Schirmchen „in Reihe geschaltet“. Ich möchte an dieser Stelle auf eine detaillierte Diskussion der Vor- und Nachteile beider System verzichten. Die führt ohnehin jeder verantwortungsbewusste Segler mit sich und idealer Weise der Stammbesatzung.

So schön muss man ihn dann aber schon selbst zusammen packen…

Bei uns war das Ergebnis dann in der Tat die Variante mit gut 130 kleinen Schirmen, die über das Heck ausgebracht werden. Das kann man allerdings nicht bei AWN um die Ecke kaufen sondern muss es bestellen. Die günstigste Variante haben wir bei einem britischen Anbieter gefunden (Alternativen gibt es insbesondere in den USA). Und dann ist da ja noch der Brexit mit drohenden Zöllen aus dem designierten EU-Ausland. Umso größer die Freude, als das Paket letzte Woche pünktlich ankam. Der Series Drogue selbst macht einen sehr guten, stabilen Eindruck und auch wenn wir hoffen ihn nie wirklich zu brauchen, so ist es doch ein gutes Gefühl ihn in der Backskiste zu wissen. Wieder einen Punkt angehakt.

An was man nicht alles denken muss!

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Reisepässe

Wer eine Reise tut, muss sich ausweisen können. Und wer eine lange Reise tut, muss das nicht nur öfters mal machen, sondern immer damit rechnen, dass ein Ausweis verloren gehen kann… sei es in den Mühlen der Bürokratie (welche Pässe für das Erteilen von Sichtvermerken wohl gerne auch mal mehr oder weniger vorübergehend einbehält) oder gar durch den Reisenden gar nicht wohlgesonnene Mitmenschen.

So begab es sich also schon im Dezember, dass ein Crew-Vertreter der SY Samai sich auf das Bürgeramt begab um dem Begehr einer allgemeinen Ausweisfähigkeit Ausdruck zu verleihen. Doch dieser Versuch kann nur als naiv gewertet werden! Der Skipper ging mit seinem demnächst ablaufenden Reisepass und einer umfassenden Vollmacht von La Skipper zum Amt und wollte beantragen:

  • einen neuen Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für La Skipper
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für den Fischexperten
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für die Steuerfrau

Doch er wurde mit den meisten seiner Anliegen gleich wieder nach Hause geschickt. Eine Vollmacht reicht nicht. Jeder(!) Antragsteller muss persönlich vorsprechen. Und einen zweiten Reisepass gibt es auch nicht einfach so. Das muss schriftlich beantragt und begründet werden.

Ok, also ein paar Zeilen geschrieben, einen neuen Termin gemacht und in Mannschaftsstärke wieder vorgesprochen. Als wir am Schreibtisch demütig unser Anliegen geäußert hatten kam sogleich die Rückfrage, ob wir denn auch für alle einen Termin gemacht hätten… also für jeden Antrag jeweils einen Termin! In tiefer Dankbarkeit verneigen wir uns vor dem Beamten, welcher es dann erfüllt von selbstlosem Großmut geschafft hat uns alle in nur einem einzigen Termin abzuarbeiten.

Wie jedem, der schon einmal eine solche Sammelbestellung abgegeben hat, kippte auch uns bei der präsentierten Rechnung dann erstmal die Kinnlade runter… selbst wenn man auf Extra-Seiten und Express-Service verzichtet hat. (Grüße an Flora!)

Aber nun ist es geschafft, wir haben unsere zwischen ästethisch rote Pappdeckel gegossene Identität in hoffentlich ausreichender Anzahl und Gültigkeit vorliegen. Wieder ein Punkt von der Liste abgehakt.

An was man nicht alles denken muss!

Weltumsegler-Workshop der Bundespolizei

Es gibt in der Tat ein Piraten-Präventionszentrum bei unserer Bundespolizei. Der Fokus liegt natürlich auf der Berufsschifffahrt, aber auch wir Freizeitskipper sind den Kollegen alles andere als egal. Es gibt verschiedene Angebote, so zum Beispiel eine Lageeinschätzung für bevorstehende Segelreisen. Dafür muss man nur ca. 2 Wochen vorher eine kurze Anfrage schreiben und erhält dann zeitnah einen mehrseitigen Bericht mit allen aktuellen, sicherheitsrelevanten Informationen für das geplante Revier.

Und dann gibt es noch den „Workshop für Weltumsegler“, der Anfang dieses Monats schon zum sechsten Mal in Neustadt/Holstein stattfand. Ursprünglich nur einmal im Jahr, wurde wegen der großen Nachfrage letztes Jahr erstmals ein zweiter Termin angeboten. Und dieses Jahr sind beide Termine auch vollständig ausgebucht. Bei Interesse also frühzeitig anmelden, wir hatten das bereits letzten Juni erledigt.

Der Workshop dauert einen Tag und wurde für längere Anreisen günstig auf Samstagmittag bis Sonntagmittag gelegt, mit geselliger Abendrunde im Brauhaus. Nach einer Vorstellung der Kollegen wurden in verschiedenen, sehr kurzweiligen Vorträgen verschiedene Themen behandelt, z.B.

  • Gefahren während einer Weltumseglung
  • Erkenntnisse zu verschiedenen Seegebieten
  • Psychologische Belastungen bei einem Raubüberfall
  • Vorbereiten von Gefahrenabwehrplänen
  • Technische Präventionsmöglichkeiten
  • Verhaltensregeln bei Antreffen von Flüchtlingen
Drinnen…

Einleitende Worte waren, dass niemand den angehenden Lagfahrt- und Weltumseglern die Lust und Vorfreude verderben möchte. Trotzdem sei es wichtig, sich mit den möglichen Gefahren und Situationen zu befassen, die – und das wurde auch deutlich klargestellt – die Meisten von uns zum Glück nie erleben werden. Aber eine Sensibilierung kann nur von Vorteil sein. Der Fokus lag demnach auch weniger auf „echten“ Piraten, die Schiffe kapern und Geiseln nehmen. Konkret ging es eher um Überfälle auf See und an Ankerplätzen – Vorbeugung – Erkennen – empfohlenes Verhalten – Vorbereitung und Sensibilisierung eben.

Auch Trans Ocean kam mit einem Praxisvortrag von Dierk Ott zu Wort. Noch mehr Praxis gab es bei den Vorführungen auf einem Polizeischiff (Sirenen, Nebel) sowie der Vorstellung eines originalen Piratenbootes und Abwehreinrichtungen der Berufsschifffahrt.

Draußen…

Selbstredend kam auch der Austausch mit anderen Seglern nicht zu kurz. Jede Pause sowie natürlich die Abendveranstaltung wurden für Kontakte und Gespräche genutzt, die ganz oft mit der naheliegenden Frage begannen: „Was sind denn Eure Pläne?“.

Wir haben den Besuch jedenfalls alles andere als bereut. Auch unserere – zumindest intern berüchtigte – Liste wurde entsprechend ergänzt. So haben wir schon ein Megaphon angeschafft und werden uns noch um eine effektive Sicherung des Hecks gegen unbemerkten Zugang (z.B. durch nächtliche Schwimmer) kümmern. Unser Dank gilt den Kollegen vom Piraten-Präventionszentrum für dieses – im übrigen kostenlose! – Angebot, das wir jedem angehenden Weltumsegler nur ans Herzen legen können.

An was man nicht alles denken muss!

BOOT 2019

Der alljährliche Abstecher nach Düsseldorf ist auch für uns Berliner zu einer schönen Tradition geworden. Nicht zuletzt war es gut, Nils Schürg mal wieder zu sehen und über die (insb. von uns) noch zu erledigenden Sachen zu sprechen. Wie immer hatte er wertvollen Input. Andere Boote haben wir in diesem Jahr so gut wir gar nicht besucht. Ok, ein Blick auf die ausgestellten Allures und Garcia war natürlich Pflicht. Ansonsten haben wir uns aber nur die aktuelle Alubat angeschaut.

Schwerpunkt der zwei Messetage war natürlich unsere lange Liste der offenen Punkte. Als liebende Eltern haben wir ein aufblasbares Kajak bestellt, mit dem nicht zuletzt die Kinder viel Spaß haben werden. Zugleich ist es ein Backup für das Dinghy. Die zweite größere Messeanschaffung waren Trockenanzüge für die Erwachsenen, wobei der Anzug von La Skipper auch dem Sohn schon gut steht. Gerade in kühleren Gegenden ist das schließlich die einzige Möglichkeit, bei Bedarf auch mal ins Wasser zu gehen. Wenn sich in Patagonien Kelp in der Schraube verfängt, möchte ich jedenfalls mit etwas mehr als einem Messer und Badahose über Bord springen.

Trockenübung…

Des Weiteren führten wir noch viele interessante Gespräche mit verschiedenen Ausstellern. Gerade was die optimale Bootsausrüstung angeht, gibt es hier ja doppelt so viele Meinungen wie Anbieter. Auf der Liste für unsere Reservekiste stehen jetzt definitiv noch das große Toiletten-Ersatzkit sowie eine Wasserpumpe. Die Überlegung, unserem Bugstrahlruder durch einen stärkeren Motor etwas mehr „Bums“ zu geben, haben wir dagegen aus Kostengründen verworfen.

Und schließlich gab es auch noch den nicht auf Ausrüstung bezogenen Austausch mit anderen Seglern, ein langer Plausch am Trans Ocean Stand, nette Gespäche beim Parimare Verlag (die neue verlegerische Heimat der Freydis) und mehr.

Einziger Nachteil der diesjährigen BOOT war, dass sich unsere Liste zwar um einige Punkte verkürzt und in anderen Punkten detailliert hat… aber letztendlich doch wieder ein kleines bisschen länger wurde.

An was man nicht alles denken muss!

Versicherungen

Erwartungsgemäß stecken wir mitten in den Vorbereitungen für unser Vorhaben. Die dazugehörige Liste konnten wir immerhin schon von „sehr lang“ auf „immer noch recht lang“ reduzieren… und ein (insbesondere für uns Deutsche) wichtiges Thema sind die Versicherungen.

Da ist zunächst mal die Yachtversicherung. Wir sind seit Erstwasserung bei dem Anbieter mit „F“ unter Vertrag und auf der BOOT in Düsseldorf haben wir mit den Kollegen dann auch mal intensiver über unsere Planung gesprochen. Ganz besonderer Knackpunkt ist natürlich die Antarktis. Da haben wir wahre Horrorgeschichten gehört, von „Das machen die nie!“ bis hin zu „Die SY *** musste die Selbstbeteiligung i.H.v. 100t€ hinterlegen“. Letzteres wäre für uns gar nicht machbar. Aber ohne Versicherung brauchen wir auch gar nicht daran denken, den obligatorischen Antarktis-Antrag beim Umweltbundesamt abzugeben (dazu später mal mehr). Umso größer unsere Freude über das positive Feedback.

Wir haben das Angebot über eine Versicherung für weltweite Fahrt mit den üblichen Einschränkungen bekommen. Also die extremen Breiten sind ebenso ausgenommen wie die meisten Afrikanischen Länder und Südostasien (welcher vernünftige Segler will heutzutage schon dahin?). Und dann gibt es den für uns hineinverhandelten Extra-Passus, dass vom 10. Dezember bis 10. Februar die direkte Passage und der Aufenthalt in der Antarktis mitversichert ist. Sicherlich war es da hilfreich, dass wir einerseits ein Aluminiumboot haben und ich andererseits vor 10 Jahren ja schon mal über Kojen-Charter im Eis war. Dafür kann man die Verdopplung der sonst geltenden, nicht zu hinterlegenden(!) Selbstbeteiligung gerne in Kauf nehmen.

Der Autoversicherer war auch sehr entspannt. Wir konnten schon zur Jahresmitte alle gewünschten Anpassungen vornehmen und die Laufleistung ab 2020 ist auf max. 1000km runtergefahren. Hintergrund ist, dass wir die Autos angemeldet lassen und bei unseren Eltern unterstellen. Diese werden dann hin und wieder mal etwas damit herumfahren, um sie so in Schuss zu halten. Das ist unter dem Strich günstiger und weniger aufwändig als eine Einlagerung für drei Jahre. Warum wir nicht verkaufen? Für unseren alten Diesel-Sharan würden wir wahrscheinlich fast schon was drauf zahlen müssen. Und der Polo ist genau in dem Alter, wo der größte Wertverlust nach Neukauf realisiert ist… es lohnt sich also nicht wirklich. Letztlich sind wir dann bei unserer Rückkehr auch gleich mobil.

Das Thema der alten Krankenversicherung ist nur für den (männlichen) Skipper interessant. Hier warten wir gerade auf das Angebot einer Anwartschaft. La Skipper fällt einfach aus Ihrer durch die Bundeswehr gegebene Heilfürsorge raus und sucht sich dann halt nicht jetzt, sondern erst nach Rückkehr eine neue Krankenversicherung. Für die Zeit dazwischen gibt es die Möglichkeit einer weltweiten Auslandsreisekrankenversicherung (max. 5 Jahre). Die ist sogar bezahlbar, solange man sich von den USA und Kanada fernhält.

Die berufsbezogenen Versicherungen unserer Bordärztin laufen natürlich (ggf. auf Anwartschaft) weiter und der Rest wird bzw. wurde gekündigt.

An was man nicht alles denken muss!

Sommertörn 2018 zum Zweiten: Kopenhagen – Varberg

Nach dem Trubel der dänischen Hauptstadt sollte es von nun an eigentlich um einiges ruhiger und größere Häfen bis Göteborg eher ausgelassen werden. Doch so ein Segelboot bezahlt sich ja auch nicht von selbst und der Skipper musste etwas arbeiten. Da hierfür ein zumindest halbwegs vernünftiges WLAN außerordentlich hilfreich ist, ging es mit dem nächsten Schlag zwar nach Schweden, allerdings nur bis Helsingborg (12°41’16.21″E / 012°41’16.21″E). Die den Öresund kreuzenden Fähren hier sind offenkundig völlig berechtigt ähnlich berüchtigt wie bei der Vogelfluglinie. Schnell, eng getaktet und immer auf direktem Weg zwischen Helsingborg und Helsingør! Als das überstanden war, fanden wir im Norra Hamnen schon wieder einen perfekten Liegeplatz längsseits am vorstehenden Holzkai direkt vor der Kunstgalerie. Hier begab es sich dann auch, dass die Mutter des Skippers erstmals seit Kühlungsborn einen Fuß an Land gesetzt hat… selbst in Kopenhagen hatte es nur für eine Dinghy-Tour gereicht. Und zur Feier des Tages wurde dann auch noch eine bezahlbare Burger-Restauration aufgesucht.

Helsingborg
Helsingborg

Doch nun ging es endlich in idyllischere Gegenden. Vorbei am Naturschutzgebiet Kullen ging der Anker in Hallands Väderö (56°25’56.00″N / 012°34’27.20″E) auf Grund (s. Beitragsbild). Bei dieser Insel gegenüber von Torekov war die Samai schon einmal auf der Rückführung von Norwegen vor zwei Jahren. Aber solch schöne Plätze verdienen mehr als nur einen Besuch. Es war auch der erste Einsatz unseres neuen Ankers (Spade 25kg). Unser bisheriger Haupt- und jetzige Ersatzanker (Lewmar Delta 20kg) hat uns zwar bisher wahrlich nicht enttäuscht und auch bei ordentlich Wind immer gut gehalten. Aber bei unseren Plänen sollte man sowieso (mindestens) zwei Hauptanker dabei haben. Und da wir das Equipment vorher gerne etwas testen – gerade einem Anker muss man schließlich vertrauen können! – haben wir uns die Anschaffung schon dieses Jahr gegönnt. Hier kam es dann auch zu einer ganz besonderem Ankerbegegnung mit einem Mototboot (… doch davon dann mehr in der demnächst neu zu eröffnenden Kategorie „Lernkurve Hafenkino“)

Nächstes Ziel war der kleine Hafen von Skallkroken (56°43’40.84″N / 012°38’27.41″E). Doch vor den Anleger hat das schwedische Militär ein Schießgebiet gesetzt. Hmmm… was tun? Auch im Internet waren partout keine Schießzeiten zu finden. Die Umfahrung bedeutete einen beachtlichen Umweg, da man im Grunde einmal herum und dann von Norden auf den Hafen zulaufen müsste. Doch was war das da auf dem AIS? Ein Tanker… und der fuhr von Osten kommend ausdrücklich nicht um das Schießgebiet herum sondern schnippelte die Ecke ab. Nun gut, wenn die Berufsschifffahrt da durchfuhr, dann konnten wir das auch. Es ging also mit klopfendem Herz auf direktem Weg nach Skallkroken, wobei das Herzklopfen weniger der Befürchtung eine lebenden Zielscheibe, sondern der Enge im Hafen geschuldet war. Im Grund gab es für uns nur zwei Anlegemöglichkeiten direkt an der Hafeneinfahrt. Doch das Glück verließ uns auch hier nicht. Der östliche Steg wurde zwar von Badegästen belagert und als Sprungbrett genutzt, aber der westliche Steg war wie für uns reserviert.

Skallkroken
Skallkroken

In Skallkroken ist auch der ausgesprochen nette Hafemeister zu erwähnen. Direkt nach dem Anlegen kam er mit breitem Lächeln und tief gebräuntem Oberkörper für einen Willkommensgruß zu uns. Er war gerade selbst mit seinem Segelboot draußen und hatte ob der nicht üppigen Tiefe von Zufahrt und Hafen doch etwas Bedenken, als er uns reinkommen sah. Doch der Hinweis auf unser bis knapp 1,10 m aufziehbares Schwert beruhigte ihn. Das andere konnten wir dann später erledigen. Und auch hier ein weiterer netter Plausch mit seinem Hinweis, dass wir ja ein ganz schön kleines Boot hätten… nicht wahr? Wir einigten uns auf die günstigere Variante der Liegegebühr. Und schon wenige Minuten später schwang sich der Skipper an der Topnant vom Bug hinaus um mit lautem Platschen neben dem Boot im Wasser zu landen.

Anleger Skallkroken

Nach diesem idyllischen Stopp stand am nächsten Tag Varberg (57° 6’35.29″N / 012°14’31.82″E) auf dem Programm. Auch hier lag die Samai am exakt gleichen Liegeplatz wie zwei Jahre zuvor. Die Männer an Bord machten den obligatorischen Spaziergang zur Varbergs Fästining und im Supermarkt wurden noch ein paar Kleinigkeiten besorgt. Abends ging es dann in das sehr empfehlenswerte „Västerports Kök“ einen Steinwurf vom Hafen entfernt. Die Karte war recht klein aber das Essen ausgesprochen lecker. Danach sollte es nur ein kurzer Verdauungsspaziergang werden… doch dann hörten wir Musik aus dem Stadtpark. Dort lief von Ende Juni bis Anfang August die Parkmusiken 2018 und gerade spielte die Street Bourbon Band ihren bunten Musik-Mix. Freier Eintritt, bunt gemischtes Publikum, Sonnenschein und gute Musik… der perfekte Tagesausklang.

Varberg
Varberg

Ein ganz normaler Samstag auf dem Wasser in Kopenhagen

Ganz schön was los hier. Und damit sind nicht nur die im Minutentakt den Nyhavn ein- und auslaufenden Sightseeing-Boote gemeint. Ein mittelgroßes Motorboot schaut vorbei und man versteht kaum noch sein eigenes Wort. Die riesigen Lautsprecher auf diesem Boot sorgen schon dafür. Nun ja, über Musikgeschmack lässt sich ja nicht streiten. Es sind wirklich sehr viele kleine motorisierte Schwimmuntersätze unterwegs. Auffallend oft mit einer Gruppe Mädels jeden Alters gefüllt. Sie feiern, trinken, singen, haben Spaß. Und die Jungs stehen dem in nichts nach. Immer wieder auch motorisierte Flöße und die Flüssigkeit bleibt wahrlich nicht nur unter dem Rumpf. Dort drüben fährt ein schon etwas größeres Motorboot am gegenüberliegenden, gut besuchten Badekai vorbei. Die Jungs darauf beugen ihre Häupter und ziehen die Hosen runter. Lautes Gejohle tönt herüber. Und damit jeder den Anblick genießen kann, wird das Ritual in den Nyhavn hinein wiederholt.

Schließlich wagen wir uns auch ins Getümmel. Das Dinghy wird zu Wasser gelassen und los geht’s. Zunächst wollen wir den Kanal rund um das Christiansborg Slot fahren. Also vom Nyhavn nach rechts und schon gut 500m weiter geht es wiederum rechts in den Kanal rein. Wirklich eine schöne Fahrt. Aber warum nur kommen uns ständig Boote aller Größe und Bauart entgegen? Das schon erwähnte Gespräch mit der Wasserschutzpolizei bringt die Erklärung. Es gibt auf Kopenhagens Wasserstraßen genau eine einzige Einbahnregelung… und wir sind natürlich gegen an gefahren. Ein Umstand, den wir jedoch lieber verschweigen. Ok, ertrinken dürfen wir… aber als Geisterbootfahrer?!?!

Danach fahren wir an der Oper vorbei Richtung „Freistadt Christiana“ und glauben uns in einer anderen Welt. Gerade noch der welligen Hektik des Hauptkanals ausgeliefert ist es hier geradezu idyllisch. Ruhiges Wasser, grüne Ufer, Badende jeden Alters, weiter hinten eine Hindernisstrecke mit Kajakstangen, Kormorane, Stand-Up-Paddler, verwitternde Bootswracks…

Letztes Ziel unserer kleinen Tour ist der Christianshavn. Schon kurz nach der Einfahrt in den engen, beidseitig mit Booten belegten Kanal (s. Beitragsbild) herrscht Verwunderung darüber, dass das nicht auch eine Einbahnwasserstraße ist. Zumindest laut Polizei. Zwei Betreuer für Mietboote hatten uns das noch anders erklärt und auch die Kapitäne der Sightseeing-Boote vertreten sicher diese Meinung. Doch im Grunde bedarf es keiner solchen Regelung, die Praxis schafft ihre Fakten.

Schon früh bemerken wir hier ein kleines Motorboot voller feiernder Damen. Mit Ausnahme der Bootsführerin. Sie hält sich am Außenborder fest und trägt als einzige eine Schwimmweste. Ganz offensichtlich eine Dänin! Immer mal wieder gehen ihre Blicke beim Versuch gerade aus zu fahren etwas schüchtern umher. Irgendwann kommt man ins Gespräch und uns wird das unfassbare Leid geklagt, dass der große Tetrapack Roséwein schon fast leer sei. Mitfühlend schicken wir im Wortsinn nüchterne Blicke des Bedauerns hinüber. Dann hat eine nur unwesentlich aufgekratzte Dame im langen roten Kleid eine großartige Idee: „Hey, we still have beer here! Do you want some?“. Diese Frage geht natürlich exklusiv an meine Mutter. Kurz danach fliegt eine kleine Büchse Dänischen Biers aus dem etwa drei Meter entfernten Partyboot zu uns ins Dinghy. Mein Vater und ich schauen traurig. Und man hat ein Einsehen: „We have more!“. Voller Enthusiasmus wird eine zweite Hilfslieferung in Angriff genommen. Nur beträgt unser Abstand inzwischen über 10 Meter. Das ist kein Hinderungsgrund! Der Arm dreht sich, die Büchse verlässt die Hand. Wie in Zeitlupe nehmen wir die in hohem Bogen verlaufende Flugbahn wahr, befürchten das Schlimmste. Doch dann landet sie unversehrt bei uns im Dinghy. Vom Ufer ertönt bewundernder Beifall!!! Letztlich prosten wir uns fröhlich zu und sind nicht mehr nur Zuschauer, sondern Teil der großen Gemeinschaft… an einem ganz normalen Samstag auf dem Wasser in Kopenhagen.

Perlen der Weltmeere (1): Rødbyhavn (Ostsee)

Position: 54° 39,10′ N / 011° 20,80′ E

Jeder Segler, der in diesem Kleinod süd-dänischer Hafenbaukunst schon einmal festgemacht hat, wird es in bleibender Erinnerung behalten. Dafür reicht in der Regel schon ein einziger Besuch. Doch was macht Rødbyhavn so einzigartig? Was erzeugt eine derartige Anziehung, dass ich nun schon zum sechsten Mal hier liege und die unvergleichliche Atmosphäre in mich aufsauge?

Sind es die vielfältigen Liegeplatzmöglichkeiten? Hier findet man einfach immer einen freien Platz! Bei unserem letzten Besuch war der mehrteilige, laut nach Ruckdämpfern schreiende Schwimmponton im hinteren Hafenbecken leider schon belegt. Trotz der Möglichkeiten am mit großen Reifen abgefenderten Kai direkt an der Straße vor den kleinen Bürogebäuden und Hallen entscheiden wir uns für das vordere Hafenbecken . Die Dalben am kleinen Steg des Seglervereins sind für uns selbstredend viel zu eng. Aber da lacht uns doch schon wieder eine Kaimauer an. Wir verschmähen erneut den Abschnitt mit großen Reifen und entscheiden uns schließlich für die halb verfallende Holzverkleidung am südwestlichen Kai. Die gut einen Meter an Land liegenden Poller zum Festmachen haben einen angenehmen Abstand von kaum mehr als 15 Metern. Dazu gibt es noch einen rostigen Eisenring in der Kaimauer sowie einige aus dem Holz ragende Enden von Metallstreben. Letztere verschmähen wir jedoch ebenfalls.

Wenn die Leinen fest sind und die Leinenschoner Ihren Dienst verrichten, kann man in Ruhe noch einmal die Hafeneinfahrt Revue passieren lassen. Schließlich handelt es sich hier nicht nur um einen heimeligen Yachthafen, sondern zugleich die dänischen Seite der „Vogelfluglinie“ nach Puttgarden auf Fehmarn. Vier 142 Meter lange Fähren sind im Dauereinsatz und man kann nicht umhin, ihre wie ein Uhrwerk ineinander greifende Präzision zu bewundern. Kaum hat die „Schleswig-Holstein“ den Hafen verlassen, gleitet auch schon die „Prinsesse Benedikte“ auf die Hafeneinfahrt zu. Das in Theorie und praktischer Umsetzung uneingeschränkte Wegerecht der Fähren ist nur folgerichtig. Und natürlich ist man als Segler auch ein bisschen Stolz, wenn man ob der ohne Vorwarnung mit noch offener Klappe losfahrenden „Deutschland“ die Segel nun doch nicht wie geplant im großen Vorhafen bergen muss, sondern den herunterschauenden Fährgästen seine ganze seemännische Kunst beim Bergen in den groben Wellen direkt neben der Einfahrt beweisen darf. Zügig muss es schon sein, denn schließlich kommt sogleich die „Prins Richard“ rein.

Während man so im Cockpit seinen Gedanken hinterher hängt, zaubern einem die wieder einmal von der gerade ablegenden Fähre herüberschallenden Sicherheitsdurchsagen ein Lächeln auf die Lippen. Die Lautstärke legt nahe, dass einer der Lautsprecher nur für uns auf den Yachthafen ausgerichtet wurde. Immer sicherer murmelt man die Worte in Deutsch und Dänisch mit und empfindet stille Dankbarkeit für diese Möglichkeit, seine Sprachkenntnisse zu erweitern. Und wäre das nicht schon des Unterhaltungsprogrammes genug, erhält man regelmäßig die Möglichkeit eines heiteren Autoratens. Immer wieder fahren die unterschiedlichsten Gefährte ohne erkennbaren Grund am Kai entlang. Und da es sich um eine Sackgasse handelt, kommen sie auch alle wieder zurück. Da kann man dann die Richtigkeit seiner Ratebemühungen sogleich verifizieren.

Neu in diesem Jahr können wir eine große, schwarze Halle der Bredgaard Bådeværft bewundern. Die kleine Werft ist offenkundig Stolz auf Ihre Erweiterung, denn schon ab 7 Uhr öffnet sich das Tor und betriebsame Arbeiter schenken mit ihren Gerätschaften dem noch schlummernden Segler einen besonders lieblichen Ohrenschmaus als Guten-Morgen-Gruß.

Und dann gibt es da noch den ultimativen Grund für liebende Eltern mit anspruchsvollen Kindern, mindestens einmal im Jahr dieser Oase der Stille einen Besuch abzustatten: der Aquadom im Lalandia. Nur einen kurzen, besonders bei Regen und Gegenwind lauschigen Spaziergang von 2km entfernt öffnen sich die Tore zu der Ferienanlage. Mit Freude bezahlt man als Tagesgast des tropischen Badelandes die 860 Kronen für den Eintritt von je zwei Erwachsenen und Kindern – Familienkarten sind in Dänemark eher unbekannt – und versucht sich nicht an den Umrechnungskurs von 13Ct. je Krone zu erinnern. Dafür kann man dann auch den ganzen Tag „Weltklasse-Wasserspaß“ genießen. Für das leibliche Wohl sorgt die ortsüblich günstige Gastronomie in diesem Rutschenparadies. Dieses Jahr ist unsere Jüngste auch die „Pipeline“ und sogar den „Tornado“ gerutscht. Mit Leichtigkeit wird jedes Mal der 2’er oder 4’er „Reifen“ die 89 Treppenstufen hochgeschleppt. Leider erst gegen Ende beginnen die Beine angenehm prickelnd zu brennen. Da sind die gut 20 Stufen der Wildwasserbahn fast zu vernachlässigen, summieren sich aber auch. Für unseren Großen haben wir überschlagen, dass er bei unserem letzten, 8-stündigen Aufenthalt mindestens 3.000 Stufen hochgelaufen ist!

Irgendwann wird es Abend. Man sitzt wieder im Cockpit. Die Glieder schmerzen. Das rote Licht der untergehenden Sonne erhellt anmutig die zwei großen Silos direkt neben dem Hafen. Der frische Westwind weht das liebliche Aroma der am Strand verfaulenden Algenteppiche durch das Boot. Und spätestens jetzt überfällt Dich die Gewissheit, hier tatsächlich eine ganz besondere Perle der Ostsee gefunden zu haben…

Kurze Notiz zur deutschen Diskussion bzgl. Tragepflicht von Rettungswesten an Bord

 

Es war in Kopenhagen. Wir waren zu dritt im Dingi unterwegs. Trotz kleinerer Wellen von anderen Schiffen im Hauptkanal eine im Allgemeinen geschützte Umgebung mit dem Land in ständiger Reichweite. Wir haben es also gewagt… ohne Rettungswesten.

Vor der Oper, kurz bevor wir nach Christianshavn einbiegen wollten, kam uns dann ein Polizeiboot entgegen… was schreibe ich… es kam direkt auf uns zu. Ein kleines rotes Schild wurde hochgehalten. Keine Ahnung was da drauf stand, aber der Respekt vor der Ordnungsmacht ließ uns aufstoppen. Wir wurden dann auch sogleich freundlich angesprochen. Auf Dänisch. Meine Standardantwort „Sorry, but by Danish is really horrible!“ sorgte für den Wechsel auf Englisch. Uns wurde zunächst ganz freundlich ein dänisches Gesetz erklärt: Egal was für ein Wasserfahrzeug man gerade führt ist es Pflicht, eine Rettungsweste zu tragen!

Dann kam die Frage, von wo wir eigentlich kommen? „Germany… Berlin…“ Der freundliche Polizist lächelte… dann sei es egal. Das Gesetz gilt nur für Dänen! Auf meine Anmerkung, dass wir dann also bedenkenlos ertrinken dürfen kam die Antwort: „We don’t care!“.

Wie so oft sind uns die Dänen auch bei diesem Thema weit voraus!!!

Sommertörn 2018 zum Ersten: Kühlungsborn – Kopenhagen

Dieses Jahr geht es wieder einmal nach Schweden. Nach der Hanöbucht 2015 und der Ostküste 2017 südlich von Stockholm steht nun die Westküste auf dem Programm. Der Skipper bringt das Boot zunächst mit seinen Eltern in gemächlichen 10 Tagen nach Göteborg. Dort dann der Crew-Wechsel und „La Skipper“ übernimmt mit dem Rest der Stammbesatzung das Kommando. Ab dann stehen drei Wochen (hoffentlich) entspanntes Familiensegeln auf dem Programm.

Vor dem Spaß hat der liebe Gott aber die Arbeit gestellt… es musste also wie immer ordentlich gebunkert werden. Aldi und Lidl konnten sich freuen und der immer wieder erstaunliche Stauraum unserer Samai schluckte kommentarlos alles weg. Donnerstag wurde dann noch der Dieseltank aufgefüllt… schließlich sollen alle einen entspannten Urlaub genießen. Mittags dann endlich Leinen los und unter vollen Segeln nach Klintholm gerauscht. Kaum hatte Falster die erwartete Abdeckung gebracht, war es auch gleich viel ruhiger an Bord. Nicht zuletzt für meine Mutter als erstmalig mitreisende war das bei aller Seefestigkeit schon etwas Beruhigung.

Klintholm war erwartet voll. Unser Lieblingsplatz – längs am Kopf des westlichen Steges – schon belegt, und auf ein Päckchen hatten wir keine Lust. Also waren wir durch den Fischerhafen bis in den inneren Hafen gefahren und hatten dort mit viel Überhang in der letzten Ecke festgemacht. Das war dann aber auch bis auf weiteres das einzige Mal, dass wir nicht den ursprünglich erhofften Liegeplatz bekamen.

Auch für den nächsten Tag hatten wir uns einen langen Schlag vorgenommen. Es ging an den Klippen von Møn vorbei immer mal wieder unter Segeln und mit Motor bis nach Flakfortet. Diese nette kleine Festungsinsel vor den Toren von Kopenhagen hatte noch genug Platz und ist einen Abstecher wert. Obwohl wir gleich neben dem Zugang zum Badesteg lagen, war die Hemmschwelle doch noch einen Schrick zu hoch… das wird sich aber noch ändern!

Flakfortet

Morgens dann eine SMS von Marcel. Seine Frau und er sind die Eigner der SY Yuna… ebenfalls eine Allures 39.9 (Baunummer 22) und gerade auf dem Weg nach Flakfortet. Wir mussten zwar etwas früher ablegen, haben es uns dann aber nicht nehmen lassen, ihnen für einen kleinen Plausch in Formationsfahrt vor Kopenhagen entgegenzufahren. Die gegenseitige Begrüßung war standesgemäß „Na ihr habt aber ein schönes Schiff!“

SY Yuna

Dann also nach Kopenhagen, an den Touristenmassen der kleinen Meerjungfrau vorbei Richtung Nyhavn im Zentrum. Ich war das letzte Mal vor zwei Jahren mit einem Freund hier, und wir hatten das große Glück, dass bei unserer Ankunft der Liegeplatz gleich am Eingang längsseits gerade frei wurde. Das war dieses Mal gar nicht nötig: der Logenplatz war schon beim ersten Blick frei (s. Beitragsbild). Es war Samstag und die Stadt war auf den Beinen und natürlich auch auf dem Wasser… davon beim nächsten Mal mehr!