Bewuchsprobleme?

Ich dachte ja immer, dass wir ein Bewuchsproblem haben. Doch dann sah ich heute in Kühlungsborn diese Außenbordmotoren…

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Beaufort 10, was tun?

Diese kleine „Sturmfibel für Yachten“ von Frank Robb ist sicherlich so manchem bekannt, zumindest vom Namen her. Die Erstauflage kam schon 1969 auf den Markt, und so gleicht die Lektüre auch einer Zeitreise. Beispielsweise ist der wesentliche Rat gegen potenziell brechende Wellen das Einleiten von Öl, um so die See zu beruhigen. Mal abgesehen von den fehlenden Lagerkapazitäten auf einer Segelyacht und selbst in der Annahme, dass hier kein Schweröl gemeint ist, so wirkt das heutzutage doch eher befremdlich. Gerade in diesen Tagen, wo – dieses Mal in der Biskaya – schon wieder einmal Ölteppiche auf der rauen See treiben, greift man im stürmischen Fall der windigen Fälle doch lieber zu anderen Mitteln.

Ein wesentliches Thema ist dabei das Verlagsamen des Schiffes. Hier scheiden sich die Geister. Auch ich dachte immer mal wieder daran, einen Treibanker in die Backskiste zu legen. Und dann wurde mir irgendwann bewusst, dass dieser ja über den Bug ausgebracht werden soll. Für die Fans dieser Lösung ist das ein wesentliches Argument… natürlich sollen die Wellen von vorne über das Boot spülen und nicht im Heck einsteigen.

Eine Alterantive dazu ist der über das Heck ausgebrachte Jordan’s Series Drogue. Hier ist statt einem größerem Schirm eine Vielzahl kleiner Schirmchen „in Reihe geschaltet“. Ich möchte an dieser Stelle auf eine detaillierte Diskussion der Vor- und Nachteile beider System verzichten. Die führt ohnehin jeder verantwortungsbewusste Segler mit sich und idealer Weise der Stammbesatzung.

So schön muss man ihn dann aber schon selbst zusammen packen…

Bei uns war das Ergebnis dann in der Tat die Variante mit gut 130 kleinen Schirmen, die über das Heck ausgebracht werden. Das kann man allerdings nicht bei AWN um die Ecke kaufen sondern muss es bestellen. Die günstigste Variante haben wir bei einem britischen Anbieter gefunden (Alternativen gibt es insbesondere in den USA). Und dann ist da ja noch der Brexit mit drohenden Zöllen aus dem designierten EU-Ausland. Umso größer die Freude, als das Paket letzte Woche pünktlich ankam. Der Series Drogue selbst macht einen sehr guten, stabilen Eindruck und auch wenn wir hoffen ihn nie wirklich zu brauchen, so ist es doch ein gutes Gefühl ihn in der Backskiste zu wissen. Wieder einen Punkt angehakt.

An was man nicht alles denken muss!

Reisepässe

Wer eine Reise tut, muss sich ausweisen können. Und wer eine lange Reise tut, muss das nicht nur öfters mal machen, sondern immer damit rechnen, dass ein Ausweis verloren gehen kann… sei es in den Mühlen der Bürokratie (welche Pässe für das Erteilen von Sichtvermerken wohl gerne auch mal mehr oder weniger vorübergehend einbehält) oder gar durch den Reisenden gar nicht wohlgesonnene Mitmenschen.

So begab es sich also schon im Dezember, dass ein Crew-Vertreter der SY Samai sich auf das Bürgeramt begab um dem Begehr einer allgemeinen Ausweisfähigkeit Ausdruck zu verleihen. Doch dieser Versuch kann nur als naiv gewertet werden! Der Skipper ging mit seinem demnächst ablaufenden Reisepass und einer umfassenden Vollmacht von La Skipper zum Amt und wollte beantragen:

  • einen neuen Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für den Skipper
  • einen zweiten Reisepass für La Skipper
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für den Fischexperten
  • erstmals einen nicht-Kinderreisepass für die Steuerfrau

Doch er wurde mit den meisten seiner Anliegen gleich wieder nach Hause geschickt. Eine Vollmacht reicht nicht. Jeder(!) Antragsteller muss persönlich vorsprechen. Und einen zweiten Reisepass gibt es auch nicht einfach so. Das muss schriftlich beantragt und begründet werden.

Ok, also ein paar Zeilen geschrieben, einen neuen Termin gemacht und in Mannschaftsstärke wieder vorgesprochen. Als wir am Schreibtisch demütig unser Anliegen geäußert hatten kam sogleich die Rückfrage, ob wir denn auch für alle einen Termin gemacht hätten… also für jeden Antrag jeweils einen Termin! In tiefer Dankbarkeit verneigen wir uns vor dem Beamten, welcher es dann erfüllt von selbstlosem Großmut geschafft hat uns alle in nur einem einzigen Termin abzuarbeiten.

Wie jedem, der schon einmal eine solche Sammelbestellung abgegeben hat, kippte auch uns bei der präsentierten Rechnung dann erstmal die Kinnlade runter… selbst wenn man auf Extra-Seiten und Express-Service verzichtet hat. (Grüße an Flora!)

Aber nun ist es geschafft, wir haben unsere zwischen ästethisch rote Pappdeckel gegossene Identität in hoffentlich ausreichender Anzahl und Gültigkeit vorliegen. Wieder ein Punkt von der Liste abgehakt.

An was man nicht alles denken muss!

Weltumsegler-Workshop der Bundespolizei

Es gibt in der Tat ein Piraten-Präventionszentrum bei unserer Bundespolizei. Der Fokus liegt natürlich auf der Berufsschifffahrt, aber auch wir Freizeitskipper sind den Kollegen alles andere als egal. Es gibt verschiedene Angebote, so zum Beispiel eine Lageeinschätzung für bevorstehende Segelreisen. Dafür muss man nur ca. 2 Wochen vorher eine kurze Anfrage schreiben und erhält dann zeitnah einen mehrseitigen Bericht mit allen aktuellen, sicherheitsrelevanten Informationen für das geplante Revier.

Und dann gibt es noch den „Workshop für Weltumsegler“, der Anfang dieses Monats schon zum sechsten Mal in Neustadt/Holstein stattfand. Ursprünglich nur einmal im Jahr, wurde wegen der großen Nachfrage letztes Jahr erstmals ein zweiter Termin angeboten. Und dieses Jahr sind beide Termine auch vollständig ausgebucht. Bei Interesse also frühzeitig anmelden, wir hatten das bereits letzten Juni erledigt.

Der Workshop dauert einen Tag und wurde für längere Anreisen günstig auf Samstagmittag bis Sonntagmittag gelegt, mit geselliger Abendrunde im Brauhaus. Nach einer Vorstellung der Kollegen wurden in verschiedenen, sehr kurzweiligen Vorträgen verschiedene Themen behandelt, z.B.

  • Gefahren während einer Weltumseglung
  • Erkenntnisse zu verschiedenen Seegebieten
  • Psychologische Belastungen bei einem Raubüberfall
  • Vorbereiten von Gefahrenabwehrplänen
  • Technische Präventionsmöglichkeiten
  • Verhaltensregeln bei Antreffen von Flüchtlingen
Drinnen…

Einleitende Worte waren, dass niemand den angehenden Lagfahrt- und Weltumseglern die Lust und Vorfreude verderben möchte. Trotzdem sei es wichtig, sich mit den möglichen Gefahren und Situationen zu befassen, die – und das wurde auch deutlich klargestellt – die Meisten von uns zum Glück nie erleben werden. Aber eine Sensibilierung kann nur von Vorteil sein. Der Fokus lag demnach auch weniger auf „echten“ Piraten, die Schiffe kapern und Geiseln nehmen. Konkret ging es eher um Überfälle auf See und an Ankerplätzen – Vorbeugung – Erkennen – empfohlenes Verhalten – Vorbereitung und Sensibilisierung eben.

Auch Trans Ocean kam mit einem Praxisvortrag von Dierk Ott zu Wort. Noch mehr Praxis gab es bei den Vorführungen auf einem Polizeischiff (Sirenen, Nebel) sowie der Vorstellung eines originalen Piratenbootes und Abwehreinrichtungen der Berufsschifffahrt.

Draußen…

Selbstredend kam auch der Austausch mit anderen Seglern nicht zu kurz. Jede Pause sowie natürlich die Abendveranstaltung wurden für Kontakte und Gespräche genutzt, die ganz oft mit der naheliegenden Frage begannen: „Was sind denn Eure Pläne?“.

Wir haben den Besuch jedenfalls alles andere als bereut. Auch unserere – zumindest intern berüchtigte – Liste wurde entsprechend ergänzt. So haben wir schon ein Megaphon angeschafft und werden uns noch um eine effektive Sicherung des Hecks gegen unbemerkten Zugang (z.B. durch nächtliche Schwimmer) kümmern. Unser Dank gilt den Kollegen vom Piraten-Präventionszentrum für dieses – im übrigen kostenlose! – Angebot, das wir jedem angehenden Weltumsegler nur ans Herzen legen können.

An was man nicht alles denken muss!

BOOT 2019

Der alljährliche Abstecher nach Düsseldorf ist auch für uns Berliner zu einer schönen Tradition geworden. Nicht zuletzt war es gut, Nils Schürg mal wieder zu sehen und über die (insb. von uns) noch zu erledigenden Sachen zu sprechen. Wie immer hatte er wertvollen Input. Andere Boote haben wir in diesem Jahr so gut wir gar nicht besucht. Ok, ein Blick auf die ausgestellten Allures und Garcia war natürlich Pflicht. Ansonsten haben wir uns aber nur die aktuelle Alubat angeschaut.

Schwerpunkt der zwei Messetage war natürlich unsere lange Liste der offenen Punkte. Als liebende Eltern haben wir ein aufblasbares Kajak bestellt, mit dem nicht zuletzt die Kinder viel Spaß haben werden. Zugleich ist es ein Backup für das Dinghy. Die zweite größere Messeanschaffung waren Trockenanzüge für die Erwachsenen, wobei der Anzug von La Skipper auch dem Sohn schon gut steht. Gerade in kühleren Gegenden ist das schließlich die einzige Möglichkeit, bei Bedarf auch mal ins Wasser zu gehen. Wenn sich in Patagonien Kelp in der Schraube verfängt, möchte ich jedenfalls mit etwas mehr als einem Messer und Badahose über Bord springen.

Trockenübung…

Des Weiteren führten wir noch viele interessante Gespräche mit verschiedenen Ausstellern. Gerade was die optimale Bootsausrüstung angeht, gibt es hier ja doppelt so viele Meinungen wie Anbieter. Auf der Liste für unsere Reservekiste stehen jetzt definitiv noch das große Toiletten-Ersatzkit sowie eine Wasserpumpe. Die Überlegung, unserem Bugstrahlruder durch einen stärkeren Motor etwas mehr „Bums“ zu geben, haben wir dagegen aus Kostengründen verworfen.

Und schließlich gab es auch noch den nicht auf Ausrüstung bezogenen Austausch mit anderen Seglern, ein langer Plausch am Trans Ocean Stand, nette Gespäche beim Parimare Verlag (die neue verlegerische Heimat der Freydis) und mehr.

Einziger Nachteil der diesjährigen BOOT war, dass sich unsere Liste zwar um einige Punkte verkürzt und in anderen Punkten detailliert hat… aber letztendlich doch wieder ein kleines bisschen länger wurde.

An was man nicht alles denken muss!

Versicherungen

Erwartungsgemäß stecken wir mitten in den Vorbereitungen für unser Vorhaben. Die dazugehörige Liste konnten wir immerhin schon von „sehr lang“ auf „immer noch recht lang“ reduzieren… und ein (insbesondere für uns Deutsche) wichtiges Thema sind die Versicherungen.

Da ist zunächst mal die Yachtversicherung. Wir sind seit Erstwasserung bei dem Anbieter mit „F“ unter Vertrag und auf der BOOT in Düsseldorf haben wir mit den Kollegen dann auch mal intensiver über unsere Planung gesprochen. Ganz besonderer Knackpunkt ist natürlich die Antarktis. Da haben wir wahre Horrorgeschichten gehört, von „Das machen die nie!“ bis hin zu „Die SY *** musste die Selbstbeteiligung i.H.v. 100t€ hinterlegen“. Letzteres wäre für uns gar nicht machbar. Aber ohne Versicherung brauchen wir auch gar nicht daran denken, den obligatorischen Antarktis-Antrag beim Umweltbundesamt abzugeben (dazu später mal mehr). Umso größer unsere Freude über das positive Feedback.

Wir haben das Angebot über eine Versicherung für weltweite Fahrt mit den üblichen Einschränkungen bekommen. Also die extremen Breiten sind ebenso ausgenommen wie die meisten Afrikanischen Länder und Südostasien (welcher vernünftige Segler will heutzutage schon dahin?). Und dann gibt es den für uns hineinverhandelten Extra-Passus, dass vom 10. Dezember bis 10. Februar die direkte Passage und der Aufenthalt in der Antarktis mitversichert ist. Sicherlich war es da hilfreich, dass wir einerseits ein Aluminiumboot haben und ich andererseits vor 10 Jahren ja schon mal über Kojen-Charter im Eis war. Dafür kann man die Verdopplung der sonst geltenden, nicht zu hinterlegenden(!) Selbstbeteiligung gerne in Kauf nehmen.

Der Autoversicherer war auch sehr entspannt. Wir konnten schon zur Jahresmitte alle gewünschten Anpassungen vornehmen und die Laufleistung ab 2020 ist auf max. 1000km runtergefahren. Hintergrund ist, dass wir die Autos angemeldet lassen und bei unseren Eltern unterstellen. Diese werden dann hin und wieder mal etwas damit herumfahren, um sie so in Schuss zu halten. Das ist unter dem Strich günstiger und weniger aufwändig als eine Einlagerung für drei Jahre. Warum wir nicht verkaufen? Für unseren alten Diesel-Sharan würden wir wahrscheinlich fast schon was drauf zahlen müssen. Und der Polo ist genau in dem Alter, wo der größte Wertverlust nach Neukauf realisiert ist… es lohnt sich also nicht wirklich. Letztlich sind wir dann bei unserer Rückkehr auch gleich mobil.

Das Thema der alten Krankenversicherung ist nur für den (männlichen) Skipper interessant. Hier warten wir gerade auf das Angebot einer Anwartschaft. La Skipper fällt einfach aus Ihrer durch die Bundeswehr gegebene Heilfürsorge raus und sucht sich dann halt nicht jetzt, sondern erst nach Rückkehr eine neue Krankenversicherung. Für die Zeit dazwischen gibt es die Möglichkeit einer weltweiten Auslandsreisekrankenversicherung (max. 5 Jahre). Die ist sogar bezahlbar, solange man sich von den USA und Kanada fernhält.

Die berufsbezogenen Versicherungen unserer Bordärztin laufen natürlich (ggf. auf Anwartschaft) weiter und der Rest wird bzw. wurde gekündigt.

An was man nicht alles denken muss!